Losung für heute
Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen. Und der Mensch gab einem jeden seinen Namen.
1.Mose 2,19.20

Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen.
Lukas 12,6

Acht Jahrhunderte Kirche in Anhausen

13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert wurde die Anhausener Kirche errichtet. Turm und Seitenarkaden sind aber Ă€lter. Sie stammen von einem VorgĂ€ngerbauwerk. Dieses VorgĂ€ngerbauwerk war vielleicht ursprĂŒnglich eine Halle, in der der König Abgaben aufbewahren lies, also ein kleiner Pfalzbau. Erbaut wurde die Kirche dann vermutlich von den Isenburgern.
Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhundert wurde der Chor- oder Altarraum angebaut. Zu diesem Zweck öffnete man die bisherige westliche Kirchenwand und errichtete den großen romanische Bogen, der das Kirchenschiff mit dem Chorraum verbindet. Der Chorraum ist heute das SchmuckstĂŒck der Kirche. Hier im Chorraum befand sich bis zur Reformation ein Marienaltar.
Im 15. Jh. wurde dann die heutige Sakristei angebaut. Sie diente ursprĂŒnglich als Seitenkapelle, spĂ€ter auch als Brennstofflager fĂŒr den Kachelofen und einige Jahre lang als Taufkapelle.

14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert besaß die Kirche schon mindestens zwei Glocken. Das Alter der kleinen Glocke wird immer nur als „frĂŒhmittelalterlich“ bezeichnet. Die andere Glocke stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. Sie trĂ€gt die Inschrift „O rex gloriae veni cum pace!“ Übersetzt: „O König der Ehren komm mit Friede!“. Christus soll also kommen, um Frieden zu bringen. Möglicherweise erinnert diese Glocke an Zeiten des Krieges und des Grauens, die unser Kirchspiel im Mittelalter heimsuchten. Wie in der heutigen Zeit, so beteten die Menschen auch damals fĂŒr den Frieden.
Einer alten Überlieferung nach wurde eine der beiden Glocken von den Anhausenern aus der Rengsdorfer Kirche gestohlen. Da der Klang der Glocke so schön war, wollten die Heimbacher sie kaufen und legten deshalb in der Kirche mit GoldmĂŒnzen ein Kreuz aus, das sich in der LĂ€ngs- und in der Querrichtung durch die ganze Kirche zog. Aber auch auf dieses verlockende Angebot ließen die Anhausener sich nicht ein. Denn sie waren sich sicher, dass ihre Glocke „Gold und Silber in ihrem Klang“ habe.
Die dritte Glocke ist im Jahr 1953 in den Turm gekommen, nachdem ihre beiden VorgÀnger jeweils im ersten und im zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurden.

15. Jahrundert

Seit dem 15. Jahrhundert, genauer gesagt seit dem Jahr 1473 haben die wiedischen Grafen in ununterbrochener Folge das Patronatsrecht der Anhausener Kirche inne. UrsprĂŒnglich gehörte zur Wahrnehmung des Patronatsrechtes die wirtschaftliche Grundausstattung der Pfarrei. So wurde fĂŒr den Pfarrer ein so genannter Wittumshof gestiftet. Neben HofgebĂ€uden gehörte Land zu diesem Hof, das der Pfarrer nutzen oder verpachten konnte. Der Wittumshof ermöglichte es dem Pfarrer, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch fĂŒr den Erhalt der Kirche war der Patronatsherr verantwortlich. Andererseits erhielt er einen teil der KircheneinkĂŒnfte, also des Zehnten. Von alledem ist bis heute das PrĂ€sentationsrecht des Patronatsherren erhalten geblieben: Wenn ein neuer Pfarrer (oder eine neue Pfarrerin) in Anhausen durch das Presbyterium gewĂ€hlt ist, dann muss S.D. der FĂŒrst zu Wied dieser Wahl zustimmen.
Ins 15. Jahrhundert ist möglicherweise auch der Ursprung der Geschichte der Heilung der GrĂ€fin auf Braunsberg zurĂŒckzufĂŒhren. Als seine Gemahlin auf Braunsberg sterbenskrank gewesen sei, sei der Graf mit seinem Gefolge nach Anhausen in die Kirche gezogen. Noch wĂ€hrend man in der Kirche betete, sei ein Bote von der Braunsburg mit der Nachricht in die Kirche gekommen, die GrĂ€fin sei wieder gesund geworden. Deshalb wird im Kirchspiel Anhausen bis heute der zweite Januar, der Tag der Heilung, als Feiertag begangen.
Lesen Sie dazu ein historisches Gedicht: » Die Bittfahrt (pdf-Datei)

16. Jahrhundert

Leitgedanken waren: „Allein die Schrift“, also die Bibel, ist in Glaubensdingen maßgeblich. „Allein Christus“ hat uns Frieden mit Gott, unserem Vater, am Kreuz geschaffen. „Allein der Glaube“, und nicht unsere guten Taten helfen uns, diesen Frieden anzunehmen und in diesem Frieden zu leben.
Auf Betreiben von Graf Johann dem IV, einem Neffen des frĂŒheren Kölner Erzbischofs Hermann von Wied, gab es am 9. Februar 1556 eine erste Visitation in Anhausen. Diese Visitation fand unter Leitung des Siegener Reformators Leonhard Wagner statt. Knapp wurde im Visitationsbericht vermerkt, dass die Gemeinde mit ihrem Pfarrer Georgius von Eichen „recht und wohl“ stehe, und er mit der Gemeinde ebenso.
Bei der Honnefelder Synode im Jahr 1564 wurde dann genauer festgelegt, was eine evangelische Kirchengemeinde ausmachen solle. Es wurde u.a. beschlossen: Die Reliquien sollten aus der Kirche entfernt werden. Das aberglĂ€ubische LĂ€uten gegen das Gewitter sollte unterbleiben. In den Predigten sollte „aufs fleißigste...vor Götzendiensten, Wallfahrten, Befragungen und Antworten der Zauberer“ usw. gewarnt werden. Die KirchenĂ€ltesten sollten die „SchwĂ€tzer, Tagediebe und Possenreißer auf den Friedhöfen und in den Kirchen“ ermahnen.
Das alles war dem Georgius von Eichen wohl zuviel: Er, der als letzter katholischer Pfarrer zugleich der erste evangelische Pfarrer in Anhausen war, hat die Gemeinde scheinbar kurz nach der Honnefelder Synode verlassen.

17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert ist eine strenge Zeit gewesen.
So lesen wir in den Akten die Berichte der Visitationen, bei denen auch die Verfehlungen einzelner Gemeindeglieder geahndet werden. Beispielsweise lesen wir: „Philips der Schumacher zu Dahlhausen gehet kein mal in unser Kirch nach Anhausen...soll geben 12 Albus“ (= 12 SilbermĂŒnzen). Oder: „Peter Remer aus Reuschet, ein FlĂŒcher, KirchenschlĂ€fer und nicht in der Visitationspredigt gewesen, soll geben 36 Albus.“ Oder: „Johan Willem Britz von Reuschet nach genossenem h. Abendmahl sogleich zur Sayner Kirmes gangen und des nachts in Isenburg ein Weibsperson beschriden, ist sonst ein wilder Mensch, soll geben ein Reichstaler.“ DarĂŒber hinaus ist die Liste der sog. KirchenschlĂ€fer, also der Kirchspielbewohner, die wĂ€hrend des Gottesdienstes einschliefen, und dafĂŒr bestraft wurden, lang.
Tief erschĂŒttert lesen wir die Nachrichten von den Hexenprozessen des 17. Jahrhundert. Im Jahr 1644 wurden zwei so genannte Hexen aus unserem Kirchspiel gefangen genommen und spĂ€ter hingerichtet. Es handelt sich um Thieß Gretgen aus RĂŒscheid und die scheel (also schielende) Elß aus Meinborn. Unter der Folter haben sie allerlei Dinge zugegeben, insbesondere fĂŒr Krankheit und Tod von Vieh anderer Bauern verantwortlich zu sein. In unseren Dörfern hat es Menschen gegeben, die diese Frauen denunziert haben. Auch Pfarrer unserer Gemeinde haben sich damals an diesen Hexenverfolgungen beteiligt.

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert hören wir das erste Mal von der Orgel und der Kirchturmsuhr.
Die erste Orgel wurde im Jahr 1716 bei Christoph Lupp in Neuwied gekauft. Gegen Ende des gleichen Jahrhunderts (im Jahr 1797) wurde eine neue Orgel angeschafft, die von Christian Ernst Schöler aus Bad Ems gebaut wurde. Im Jahr 1900 wurde ein Orgelbaufonds gegrĂŒndet. Der Anhausener JĂŒnglingsverein (VorgĂ€nger des Burschenvereins) fĂŒhrte extra ein TheaterstĂŒck auf, um Geld in den Fonds einzahlen zu können. 1904 konnte die neue Orgel bei Gustav Rassmann gekauft werden. Unsere heutige Orgel wurde 1978 bei der Firma GĂŒnter Hardt angeschafft. Sie hat elf Register und 832 Pfeifen.
Von einer Kirchturmsuhr lesen wir ebenfalls zu Beginn des 18 Jh. erstmalig. Aus dem Jahr 1704 hören von den Aufgaben des Kirchspielsschullehrers. Er ĂŒbt auch das Amt des KĂŒsters aus und muss deshalb auch die Kirchturmsuhr stellen und schmieren. Heute werden die schönen alten Zeiger der Uhr an der SĂŒdseite des Turmes von einer Funkuhr bewegt.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert waren die Menschen bei uns sehr arm. Verschiedene Dinge wurden unternommen, um etwas gegen die Armut zu tun.
So verfĂŒgte der Anhausener Friedrich Kray im Jahr 1855, dass seine sĂ€mtlichen Felder, Wiesen und GĂ€rten dem Kirchspiels-Armenfonds ĂŒbergeben wĂŒrden. Von den PachtertrĂ€gen sollten die Armen aus dem Kirchspiel und der Gustav Adolf Verein, der sich um evangelische Minderheiten in ĂŒberwiegend katholisch geprĂ€gten Gegenden kĂŒmmert, unterstĂŒtzt werden.
Ein Jahr spĂ€ter, im Jahr 1856, wurde in einem kleinen Turm außerhalb des Dorfes ein Waisenhaus eingerichtet. Der Turm, der etwa in Höhe des heutigen WasserbehĂ€lters stand, hatte bis 1852 als optischer Telegrafenturm gedient. Nun richtete die Evangelische Kirche hier ein Heim fĂŒr bis zu 14 Waisenkinder ein. SpĂ€ter siedelten die so genannten „Zöglinge“ nach Oberbieber um. Heute kennen wir die Einrichtung als „Kinder- und Jugendhilfe Oberbieber“.
Als zu der gleichen Zeit von etwa 300 Grundbesitzern im Kirchspiel weit ĂŒber 80 von Hypothekenschulden gedrĂŒckt wurden, grĂŒndeten am 27. MĂ€rz 1862 OrtsbĂŒrgermeister, Gerichtsschöffen, Pfarrer, Lehrer und andere Personen den Darlehnskassenverein Anhausen. UnterstĂŒtzt durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen konnte der Verein bedĂŒrftigen Kirchspielsbewohnern gĂŒnstige Darlehen gewĂ€hren. SpĂ€ter entwickelte sich der Verein weiter zu einer Bezugsgenossenschaft. Der Vorsitzende des Vereins war der Anhausener Schultheiß KrĂ€mer. Pfarrer Renckhoff, dessen Grabstein noch heute neben der Kirche steht und der ein Schwager Raiffeisens war, setzte sich im Aufsichtsrat sehr fĂŒr den Verein ein.

20. Jahrhundert

Zwei Pfarrer mit ihren Familien haben im 20. Jahrhundert besonders lange in Anhausen gewirkt: Pfr. Johannes Graeber von 1922 bis 1958 und Pfr. Klaus Schumacher von 1964 bis 1995.
In die Amtsperiode von Pfr. Graeber fiel die Zeit des Nationalsozialismus. Pfr. Graeber und das Anhausener Presbyterium gehörten zur Bekennenden Kirche. Sie war der Teil der Evangelischen Kirche, der sich durch die Nationalsozialsten nicht fĂŒr deren Zwecke vereinnahmen lassen wollte. Dieses Engagement brachte Pfr. Graeber viele Nachteile, bis hin zur GefĂ€ngnisstrafe. Pfr. Graeber wirkte in verschieden Gremien der Bekennenden Kirche mit. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die im Kirchspiel Anhausen lebenden Juden vollstĂ€ndig vertrieben oder deportiert. Die letzte aus Anhausen stammende und heute noch lebende JĂŒdin, Hanna Engel, geb. Levy, wohnt heute in Israel. Die Kirchengemeinde hĂ€lt den Kontakt zu ihr aufrecht.
Der Sohn von Pfr. Johannes Graeber, Pfr. Martin Graeber aus Niederbieber, fasste die Amtszeit von Pfr. Schumacher unter anderem so zusammen: WĂ€hrend zu den Zeiten seiner Eltern die Kirchengemeinde nur vom Pfarrer und seiner Frau organisiert worden waren, hatte sich unter Pfr. Schumacher ein derartiger Wandel ergeben, dass nun ĂŒber einhundert Gemeindemitglieder ehrenamtlich in Gruppen, Kreisen und Diensten der Kirchegemeinde engagiert sind. Dazu kommen weit ĂŒber 20 Angestellte in den KindergĂ€rten, im BĂŒro, als Organistin und nicht zuletzt als KĂŒsterin.
DarĂŒber hinaus gab es gegen Ende des 20. Jahrhundert eine Öffnung der Kirchengemeinde. Es wurden gute Kontakte zu anderen Kirchen und Gemeinden geknĂŒpft. Ab den 60er Jahren gab es Kontakte und Begegnungen mit der Partnergemeinde in Schönwalde, in der damaligen DDR gelegen.
Außerdem gab es Besuch und Austausch mit Christinnen und Christen in RumĂ€nien, Ungarn, Frankreich, Jordanien, Kamerun, West-Papua. Seit 1996 ist eine Mitarbeiterin diakonisch an der Seidenstraße tĂ€tig. Sie baute verschiedene Entwicklungshilfe- Projekte mit auf und begleitet junge Christengemeinden.
Im nĂ€chsten geografischen Umfeld ist vor allem die enger werdende Gemeinschaft mit der Katholischen Pfarrgemeinde Isenburg-Anhausen zu nennen. Gegen Ende des 20. Jahrhundert wuchs die Zahl der Katholiken im Kirchspiel. Sie feiern seit vielen Jahren einmal im Monat in der Kirche Gottesdienst. Im Laufe der Zeit entstand ein gutes ökumenisches Miteinander mit dem Ziel, Jesus Christus gemeinsam zu loben und zu verkĂŒndigen.

Literatur

Wer mehr ĂŒber die Geschichte (der Kirche) von Anhausen wissen möchte, nehme folgende BĂŒcher zur Hand:
  • Arno Schmidt und Karl Henn, Anhausen – frĂ€nkische Siedlung an alter Rheinstraße
  • Pfr. Löhr, Geschichte des Kirchspiels Anhausen
  • Albert Hardt, Im Wiedischen Land
Andreas Laengner
Kalender
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06.06.2023 | 09:00-12:00 Uhr
Evangelisches Gemeindehaus Anhausen

06.06.2023 | 18:30 Uhr

07.06.2023 | 20:00 Uhr
Evangelisches Gemeindehaus Anhausen

09.06.2023 | 20:00 Uhr
abwechlsend bei den Teilnehmern

10.06.2023 | 18:00 Uhr

11.06.2023 | 09:45 Uhr
Evangelisches Gemeindehaus Anhausen

11.06.2023 | 10:00 Uhr

11.06.2023 | 11-12 Uhr
Evangelisches Gemeindehaus Anhausen

 
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