Losung für heute
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Jesaja 49,13

Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
1.Korinther 1,30

Der Darlehnskassenverein für das Kirchspiel Anhausen

Seine Bedeutung für das Raiffeisen-Jahr 2018 | von Arno Schmidt

Am 30. März 2018 jährt sich Raiffeisens Geburtstag zum 200. Mal. Auf Initiative der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisengesellschaft wurde das Raiffeisen-Jahr 2018 ins Leben gerufen. Schirmherr des Raiffeisen-Jahrs ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er erinnert an den im Westerwald geborenen Sozialreformer: „Raiffeisen hat gezeigt, was das Engagement eines Einzelnen und die Solidarität vieler bewirken können.“
Friedrich Wilhelm Raiffeisen lebte im 19. Jahrhundert – in einer Zeit, die von tiefer sozialer Spaltung geprägt war. Viele Menschen lebten am Existenzminium. Kredite waren für die Bauern und Handwerker unerreichbar. Missernten und Hungersnöte plagten die Bevölkerung. Zahlreiche Menschen entschieden sich für die Auswanderung nach Amerika.
Das Mittel der in Genossenschaften organisierten Selbsthilfe erschien Raiffeisen als besonders geeignet, die Gesellschaft wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen.
Die Jugend in seinem Heimatdorf Hamm an der Sieg prägte ihn. Aufgewachsen in einer kinderreichen, kleinbäuerlichen Familie mit tiefer Verwurzelung im Protestantismus erlebte er eine karge Welt. Seine religiöse Erziehung im Elternhaus, an der Volksschule und durch seinen Ortspfarrer und Patenonkel Georg Wilhelm Seippel beeinflussten maßgeblich sein späteres Wirken. Sein Denken und Handeln basierte auf einer christlichen Grundhaltung. Prägend für sein Lebenswerk dürften aber auch die für seine Heimatregion typischen, genossenschaftlich organisierten Arbeitsformen in der Waldnutzung (Hauberg), im Wiesenbau und im Bergbau gewesen sein.
Seinem ersten sozialen Projekt, der „Weyerbuscher Brodverein“, folgte nach seiner Versetzung als Bürgermeister nach Flammersfeld (1848) die Gründung des „Flammersfelder Hülfsverein“. 1852, nach Heddesdorf versetzt, rief er hier zwei Jahre später den „Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein“ ins Leben.
In Anhausen gründete Raiffeisen 1862 einen „Darlehnskassenverein“ . In den Satzungen dieses Vereins wird in einer ländlichen Selbsthilfeorganisation die Gewährung von Darlehn als Hauptaufgabe genannt. Dabei war die Kreditgewährung auf die Bewohner des Kirchspiels Anhausen beschränkt. Gegenüber den früheren Hilfs- und Wohltätigkeitsvereinen gehörten hier sowohl Kreditgeber als auch Kreditnehmer dem Verein an. Das Prinzip der Wohltätigkeit wurde durch das Prinzip der Selbsthilfe abgelöst.
Nach dem Gründungsprotokoll vom 27. März 1862 gehörten Ortsvorsteher, Gerichtsschöffen und Lehrer aus den vier Dörfern des Kirchspiels Anhausen sowie der Anhausener Schultheiß Krämer zum Vorstand. Der Anhausener Pfarrer Heinrich Springmann wurde zum Mitglied des Verwaltungsrats gewählt.
Die Generalversammlung richtete einen besonderen Dank an Bürgermeister Raiffeisen zu Heddesdorf für „seine vielfache Mühewaltung und seine vortrefflichen Rathschläge, ohne welchen der Verein wohl schwerlich so bald sich hätte constituieren könnnen.“
Von langer Dauer war Pfarrer Springmanns Mitarbeit im Anhausener Verein jedoch nicht, da, wie im Protokollbuch des Anhausener Presbyteriums unter dem 17. Juni 1862 vermerkt wurde: „Pfarrer Heinrich Springmann aus triftigen Gründen mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde mit dem Pfarrer Renckhoff in Remagen einen Stellentausch getroffen.“ Pfarrer Springmann hatte wegen der Erkrankung seiner Ehefrau um diese Versetzung gebeten.
Der Nachfolger Karl August Wilhelm Renckhoff (1823 –1889), ein Schwager Raiffeisens, wirkte bis zu seinem Tod als Pfarrer in Anhausen. Sein Grabstein befindet sich auf der Südseite der Kirche.
Die Annahme, Renckhoff sei vor der Anhausener Vereinsgründung ein enger Mitarbeiter von Raiffeisen gewesen, ist nicht zutreffend. Von 1865 bis 1880 war Renckhoff Mitglied im Aufsichtsrat. Er bemerkte zur Entwicklung der Einrichtung: „Ferner die Leute durchschnittlich wieder ihr eigenes Vieh haben, was früher bei einem Fünftel derselben nicht der Fall war, und dass endlich jetzt fast gar keine Hypotheken mehr gestellt werden, wohingegen früher ...“
Der besondere Erfolg des im Kirchspiel Anhausen ansässigen Vereins initiierte mit seiner musterhaften Satzung die Gründung weiterer Darlehnskassenvereine, alle unter strenger Wahrung des Prinzips der Selbsthilfe.
1864 wurde der „Heddesdorfer Darlehnskassenverein“ ins Leben gerufen. Weitere Vereinsgründungen in der näheren Umgebung erfolgten beispielsweise in Rengsdorf/Bonefeld und in Engers. Der „Darlehnskassenverein Honnefeld“ wurde 1869 in Jahrsfeld gegründet.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen verstarb am 11. März 1888 in Heddesdorf. Er war einer der Väter der modernen Genossenschaftsidee, die 2016 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.
Quellen:
Heimat-Jahrbuch 2018 des Kreises Altenkirchen: Albert Schäfer; Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1818 – 1888.
Michael Klein; Leben, Werk und Nachwirkung des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Rheinland-Verlag. 1997.
A. Schmidt, K. Henn; Anhausen – fränkische Siedlung an alter Rheinstraße. Anhausen 1998.
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