Losung für heute
Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.
Hesekiel 36,9

Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.
Matthäus 20,1

Eine Nachtigall wird das Konzert eröffnen

Wer kennt das nicht, diesen übermächtigen Wunsch in einer schlaflosen Nacht, endlich mal abschalten zu können. Die Gedanken kreisen und kreisen im Kopf herum. Unruhig wälzt man sich hin und her, immer wieder neu den Blick auf das beleuchtete Zifferblatt des Weckers neben dem Bett. Doch die Zeit der dunklen Nacht will nicht vergehen: halb zwei, zwei, halb drei – der Zeiger kriecht über die Anzeige. Was wird mir morgen wohl begegnen? Werde ich all diesen unbekannten Dingen gewachsen sein? Habe ich mich ausreichend vorbereitet?
Um vielleicht doch noch etwas besser schlafen zu können stehe ich auf, ziehe den Vorhang des Fensters neben meinem Bett zur Seite und öffne es. Ein bisschen frische Luft wird mir gut bekommen.
Und dann höre ich es: Mitten in der Dunkelheit dringt der erste leise Gesang von einem Vogel zu mir ins Zimmer: Ist es eine Nachtigall, welche ihr Lied oft schon in der Nacht anstimmt? Dies habe ich ja in der Kindheit von meinem Vater gelernt: Eine Nachtigall würde das Vogelkonzert eröffnen. Nun werde ich ein wenig neugierig! Ist es immer noch so wie damals in der Frühe, wenn der Tag so langsam im Osten aufsteigt? Wenn im Frühling und bis in den Sommer hinein so viele Singvögel den aufgehenden Tag begrüßen?
Ja, es ist immer noch so: Amseln und Singdrosseln sind Frühaufsteher. Ihr Gesang beginnt ca. eine Stunde vor dem Sonnenaufgang. Auch das Rotkehlchen lässt dann nicht mehr lange auf sich warten. Es folgen danach die Meisen, Blaumeise und Kohlmeise. Und gemeinsam mit der Finkenschar, den Grünfinken und Buchfinken, färben nun bei klarem Wetter die ersten Sonnenstrahlen den Himmel in glutrote Farben. Und was sind immer die Langschläfer? Natürlich, unsere Spatzen! Sie schicken als letzte ihr kräftiges Tschilpen in den Morgen hinein, damit auch sie in dem Chor der Vögel nicht vergessen werden.
Diese wunderschöne Musik in der Natur, jeden Morgen aufs Neue, fast immer wird sie von mir verschlafen. Doch jetzt, wo ich in dieser Nacht nicht schlafen konnte, höre ich es wieder ganz neu. Und in mir erlebe ich eine stille Freude und Dankbarkeit: leben zu dürfen in der Harmonie und Reinheit der Klänge dieser vielen Vogelstimmen.
Vor fast 400 Jahren, im Jahre 1653, dichtete Paul Gerhardt das Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“. In diesem Lied, in seiner ursprünglichen Fassung bestehend aus 15 Strophen, wird auch unter anderem seine Freude über den Vogelgesang beschrieben. Und auch seine Dankbarkeit Gott gegenüber, der ihm das alles schenkt. In dieser Verbindung und diesem Vertrauen zu Gott als seinem Vater, so lebte Paul Gerhardt. Dies möchte ich auch wieder neu mit hineinnehmen in meinen unruhigen Alltag!
Willi Gebhardt
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