Losung für heute
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Jesaja 49,13

Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
1.Korinther 1,30

»Nein, ich wollte keinen verzweifelten Artikel schreiben«

Die nachhaltige Kraft der Schöpfung

Ein Winterspaziergang. Der Blick geht weit über Felder und Obstbaumwiesen des Neuwieder Beckens. Gottes Schöpfung ist wunderbar. Ich gehe fröhlich meines Weges.
Mein Auge bleibt am Betonklotz des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich hängen. Sollte der Rückbau des Turmes nicht schon lange begonnen haben? Was es wohl bedeutet, ein AKW zurückzubauen? Was kostet es, den radioaktiven Abfall eine Million Jahre lang sicher zu lagern? Wird es in einer Million Jahren ein Neuwieder Becken geben? Wie viele Meter über oder unter dem Meeresspiegel wird es liegen – nach Vulkanausbrüchen, die in der Eifel zu erwarten sind? Wird es Menschen geben, die wie ich staunen über eine winterliche Landschaft?
Ich bin sehr dankbar, dass Rheinland-Pfalz inzwischen seinen Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken kann. Ja, es gibt schwierige Standorte für Windräder und Entwicklungsbedarf auch in dieser Technologie. Doch wenn einmal ein Windrad an einer Stelle abgebaut werden muss, dann geschieht dies auf einfache Weise: Ein paar Tage später ist der Ort wieder frei, das Brausen der Rotorblätter vergangen und bald wächst der Bauplatz zu. Keine Giftstoffe zu entsorgen, die Millionen von Jahren die Erde verseuchen. Windkraft ist eine einfache Technologie. So einfach, dass wir Menschen sie wirklich beherrschen und Fehler in Standortwahl und Rotorform beheben können. Windkraft ist nicht Ziel von Terroranschlägen und der Super-GAU wäre wohl, dass eines umfällt.
Die Schöpfung ist mit wunderbaren Eigenschaften der Nachhaltigkeit begabt. Das Leben wird in wachsender Vielfalt immer weiter gegeben. Über Wunden in der Landschaft wächst das sprichwörtliche Gras. Diese Nachhaltigkeit macht die Schöpfung sehr gut! Doch ist sie widerstandsfähig genug, dass sie die immer größeren Eingriffe des Menschen verträgt? Wenn wir Jahrzehnte lang Insektenvernichtungsmittel produzieren und anwenden, ist es dann verwunderlich, dass Insekten sterben? Erst als die Bienen starben, wurden wir aufmerksam. Jetzt sterben die Insekten-fressenden Vögel am Futtermangel. Wie geht das weiter? Was kann Heilung schaffen?
Es braucht Umkehr, sagt mein Glaube. Umkehr im Geist und Umkehr in der Praxis. Umkehr im Geist, das heißt dankbar werden und bescheiden. Das Bestreben, einen maximal niedrigen Preis für die Früchte der Erde zu zahlen, ist Sünde. Man nennt das Geiz. Das Bestreben, jede Menge jeder Art zu jeder Zeit zu kaufen, ist ebenfalls Sünde. Man nennt das Gier. Geiz und Gier machen die Erde und alles, was auf ihr wohnt, krank und kaputt.
Wie nun sieht eine Praxis der Dankbarkeit und der Bescheidenheit aus? In unserer Gesellschaft des übermäßigen Konsums müssen wir das nachhaltige Maß neu lernen: regionales Essen aus ökologischem Anbau ohne Monokulturen, kein Fleisch aus Massentierhaltung; Mobilität mit Bus und Bahn, mit E-Bike und E-Auto, Urlaub ohne Flug; reparieren statt wegwerfen, Güter tauschen und teilen; Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter; keine Geldanlagen bei Firmen, die Mensch oder Natur ausbeuten.
Das ist alles nicht neu. Die Schuld der Menschen in den übermäßig konsumierenden Ländern ist offenbar. Wir bräuchten eine zweite, eine dritte Erde, damit es bei diesem Lebensstil für alle reicht. Dass es Grenzen des Wachstums gibt, hat meine Generation (ich bin Jahrgang 1966) in der Schule gelernt. Es ist auch nicht schwer zu verstehen: Nicht erneuerbare Energien sind nicht erneuerbar, also endlich. Nicht erneuerbare Rohstoffe können nur umverteilt werden.
Und genau das geschieht: Coltan wird aus dem Kongo über die Handy-Fabriken Asiens nach Europa umverteilt. Damit jede und jeder hier in Deutschland ein neues unter dem Weihnachtsbaum finden kann. Dass der Coltanabbau im Ost-Kongo unter unsäglichen Bedingungen für Mensch und Natur stattfindet, wollen wir nicht hören. Dass organisierte Kriminalität mit brutaler Gewalt Schürfer ausbeutet und rund um die Minen das Blut unserer Schwestern und Brüder vergießt, das vergessen wir, wenn wir die neuesten Apps herunterladen. Würde Coltan nach internationalen Sozial- und Umweltstandards abgebaut, würde der Handel fair sein, so würden wir vermutlich das Doppelte für ein Handy zahlen. Wir könnten uns das leisten, wenn wir nur jedes zweite Mal, wenn wir ein Handy kaufen wollen, es wirklich tun. So einfach. Und dennoch tun wir es nicht. Warum macht uns das Handy-Schnäppchen glücklicher als das Wohl von Gottes Schöpfung und unserer Mitmenschen? Wo ist unser Herz? Wohin geht unsere Liebe?
Für mich als Geschäftsführerin eines Friedensdienstes ist das Schrecklichste, dass wir die Ungerechtigkeit und die Gewalt bei der Verteilung von Rohstoffen nicht als Problem erkennen. Ganz im Gegenteil: Um Deutschland den Zugang zu Rohstoffen zu sichern, nutzt Deutschland militärische Gewalt und Rüstungsexporte. Im Kongo gibt es keine Fabrik, die Maschinengewehre herstellt – aber viele Tausend Tote durch Kleinwaffen jedes Jahr. Viele Männer, Frauen und Kinder flüchten aus ihren Dörfern, sehr wenige von ihnen nach Deutschland. Hören wir ihre Geschichten, teilen wir ihre Not?
Nein, ich wollte keinen verzweifelten Artikel schreiben. Ich selbst will ja fröhlich weiter leben und weiter lieben, Gott die Ehre geben und seine Schöpfung bestaunen. Wenn Sie das auch wollen, dann sind wir schon zwei. Ist es denkbar, dass Gottes Liebe uns dazu drängen wird, umzukehren? Wir sind nicht allein unterwegs. Mit der Entscheidung, Fair Trade Town zu werden, gehen auch Stadt und Kreis Neuwied Schritte auf diesem Weg. Als Bürger/innen können wir mitgehen, als Gemeinde in der Nachfolge gehen wir vorweg.
Also bitte, pflanzen Sie heute noch ein Apfelbäumchen. Es ist die richtige Jahreszeit und die richtige Weltenzeit dafür.
Dr. Anthea Bethge
Kalender

11.12.2018 | 09:30 Uhr
Evangelisches Gemeindehaus Anhausen Spielgruppenraum (Keller)

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Evangelisches Gemeindehaus Anhausen

11.12.2018 | 18:30 Uhr
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12.12.2018 | 17:00 Uhr
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14.12.2018 | 20:00 Uhr

 
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